Bertelsmann
AG - (de)
Die Bertelsmann AG ist ein internationaler Verlags- und Medienkonzern mit
Hauptsitz in Gütersloh.
Zum Bertelsmann-Konzern gehören Medienunternehmen wie der Gruner + Jahr
Zeitschriftenverlag (unter anderem Stern, Brigitte), die RTL-Group, die
Verlagsgruppe Random House, 50 % der Sony BMG Music Entertainment, der BMG
Music Publishing Musikverlag (beide Teil des Unternehmensbereichs BMG
(Bertelsmann Music Group)), die Direct Group Bertelsmann (unter anderem
Bertelsmann Club) und arvato.
Die Bertelsmann AG ist nicht börsennotiert; Aktionäre sind die
Bertelsmann Stiftung (76,9 %) und die Familie Mohn (23,1 %). Die
Stimmrechte der Bertelsmann Stiftung und der Familie Mohn übt die
Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft (BVG) aus. Sie verfügt nach dem
Aktienrückkauf nun wieder über 100 % der Stimmrechte. Die Gesellschafter
der BVG sind der Aufsichtsratsvorsitzende, ein weiteres
Aufsichtsratsmitglied sowie der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann AG,
drei Vertreter der Familie Mohn (derzeit Reinhard Mohn, Liz Mohn und Dr.
Brigitte Mohn). Reinhard Mohn verfügt über ein Mehrfachstimmrecht und
ein Veto bei allen Beschlüssen und kann drei Gesellschafter der BVG
direkt benennen. Das Gremium wurde im Januar 2007 um zwei Gesellschafter
verkleinert: Christoph Mohn und der Konzernbetriebsrat Erich Ruppik
mussten ihre Sitze in der BVG abgeben.
Geschichte des Unternehmens
vor 1900
Am 1. Juli 1835 gründete der Drucker und Buchhändler Carl Bertelsmann
den C. Bertelsmann Verlag mit angeschlossener Druckerei in Gütersloh. Am
17. Dezember 1850 starb der Firmengründer im Alter von 59 Jahren. Sein
Sohn Heinrich Bertelsmann übernahm die Geschäftsleitung des nunmehr 14
Mitarbeiter zählenden Verlages. Zunächst auf erbauliche christliche
Lieder und Texte ausgerichtet, öffnete sich der Verlag 1850 unter dem
Sohn Heinrich Bertelsmann auch für Belletristik. 1861 wurde der Verlag
S.G. Liesching aus Stuttgart erworben. 1868 umfasste das Unternehmen 60
Mitarbeiter und zog im selben Jahr in ein neues Verlagsgebäude in der
Bahnhofstraße in Gütersloh. 1887 richtet Heinrich Bertelsmann für seine
Mitarbeiter eine Invalidenkasse ein. Am 3. März 1887 starb Heinrich
Bertelsmann und sein Schwiegersohn Johannes Mohn übernahm die Leitung des
Verlagshauses. 1898 wurde die angegliederte Druckerei erweitert.
1900 – 1945
1921 übernahm Johannes Mohns Sohn, Heinrich Mohn, die Geschäftsleitung.
Das Unternehmen beschäftigte 80 Mitarbeiter. 1928 erschienen die ersten
Romane aus dem Verlagshaus. Die ersten drei waren in Fortsetzungen zuvor
in der von Heinrich Mohn erworbenen Zeitschrift „Der Christliche Erzähler“
erschienen. Am 2. November 1930 starb Johannes Mohn. 1932 veröffentlichte
Bertelsmann die ersten Romane als Volksausgaben. In den folgenden Jahren
wuchs der Verlag ständig und hatte 1939 bereits 400 Mitarbeiter.
Bertelsmann wurde im Zweiten Weltkrieg mit den so genannten
„Feldausgaben“ zum wichtigsten Buchlieferanten der Soldaten an der
Front. Es wurden unter anderem Bücher von nationalsozialistischen Autoren
wie Will Vesper oder Hans Grimm verlegt. Mit Titeln wie „Mit Bomben und
MGs über Polen“ und „Wir funken für Franco“ erzielte man
Millionenauflagen.

1944 verfügten die Nationalsozialisten die Schließung des Bertelsmanns
Verlages, wobei nicht, wie noch bis weit in die 1990er Jahre vorgegeben,
eine oppositionelle Haltung zum NS-Regime, sondern Wirtschaftskriminalität
ausschlaggebend waren (siehe hierzu auch den eingehenderen Artikel zu
Matthias Lackas). Der Verlag war keineswegs ein Hort des Widerstandes. Von
der Schließung 1944 waren jedoch die Setzerei, Druckerei und Buchbinderei
nicht betroffen. 1945 wurden durch einen alliierten Bombenangriff die
Produktionsstätten völlig zerstört. Nach dem Kriegsende begann der
sofortige Wiederaufbau.
1945 – 1990
1946 bekam Bertelsmann in der britischen Besatzungszone eine Verlagslizenz
erteilt. Der technische Betrieb, die Mohn & Co. GmbH, heute Mohn Media
- Mohndruck GmbH, wurde eine selbständige Firma. 1947 übernahm Sohn
Reinhard Mohn in fünfter Generation das Familienunternehmen. Noch im
Soldatenmantel sprach er anlässlich des ersten Richtfestes zu seinen
Mitarbeitern. Reinhard Mohn begleitete Rommel auf den Feldzügen in Afrika
und geriet in Kriegsgefangenschaft. Später wurde er in den Club of Rome
berufen. Als Unternehmer wird er beschrieben als geprägt von einem
enormen Willen, sich durchzusetzen und entsprechenden Erfahrungen mit
Konkurrenz, Behörden, Regierung und Justiz. Darauf ist wohl zurückzuführen,
dass er das gegenwärtige demokratische System und die soziale
Marktwirtschaft als reformbedürftig einstufte. Er hat bemerkenswerte
freiwillige Formen der Mitbestimmung und sozialen Absicherung für die
Mitarbeiter zugelassen und beachtliche Anteile des Gewinns an die
Mitarbeiter (desmeist mit Übernahme der steuerlichen Belastungen)
verteilt. Seinen Prinzipien, Profit zu machen, nützliche Produkte zu
vertreiben und Arbeitsplätze auf Lebenszeit zu sichern, blieb er bis zu
seinem Rücktritt 1999 treu. Die Rahmenbedingungen in der Firmenverfassung
galten für alle. In diesem Rahmen, auf den sich alle Mitarbeiter berufen
konnten, schuf er mit seinen Angestellten ein Wirtschaftsimperium – von
dem alle profitierten:

1950 gründeten Reinhard Mohn und sein Mitarbeiter Fritz Wixforth zusammen
mit dem Buchhandel den Bertelsmann Lesering. 1954 wurde eine
Verlagsgemeinschaft zur Betreuung der nun 1 Million Lesering-Mitglieder
gegründet. Am 26. April 1955 starb Heinrich Mohn. 1956 gründete
Bertelsmann den Schallplattenring. 1958 erfolgte der Eintritt in den
Musikmarkt mit der Gründung des Schallplattenlabels Ariola. 1960 feierte
Bertelsmann sein 125-jähriges Jubiläum. In Anerkennung um die Verdienste
der Stadt Gütersloh wurde die zum Betriebsgelände führende
„Wilhelmstraße“ in „Carl-Bertelsmann-Straße“ umbenannt. 1963
erfolgte die Übernahme des Europäischen Buchclubs und Europäischen
Phonoclubs, der später in „Europäische Bildungsgemeinschaft“
umbenannt wurde. Es eröffnete die erste Partner-Bücherstube in der
Buchhandlung „Fingerhut“ in Kleve. 1964 Start des Club-Reisedienstes für
Lesering-Mitglieder. Die erste Bücherstube des Leserings wurde in Kiel eröffnet.
1964 stieg Bertelsmann in den Filmsektor ein und kaufte die
Ufa-Filmproduktionsgesellschaft. Die Anteile an der gleichnamigen
Kinokette wurden in den siebziger Jahren wieder verkauft. 1969 wurden die
Bücherstuben der Verlagsgemeinschaft in Club-Center umbenannt. Im selben
Jahr erwarb Reinhard Mohn eine Beteiligung von 25 % am Hamburger
Verlagshaus (Gruner und Jahr), an dem Bertelsmann 1973 die
Mehrheitsbeteiligung erwarb. Von 1965 bis 1970 war Manfred Köhnlechner
der Generalbevollmächtigte des Konzerns. 1970 übernahm Bertelsmann ein
Drittel des Medienimperiums Axel Springers mittels eines Betrages von 300
Millionen DM, der laut Spiegel-Magazin (11/1970) mit Hilfe eines
aufgenommenen Kredites der WestLB (damals 1/3 im Besitz des SPD-regierten
Landes NRW) zu 3,5 % verzinst wurde. Die Transaktion wurde noch im
gleichen Jahr wieder rückgängig gemacht. Der Kress-Report gab am 20.
Juli 1970 als Grund die „Schwierigkeiten, die sich aus der
gleichzeitigen Beteiligung des Hauses Bertelsmann an den Häusern Axel
Springer und Gruner+Jahr ergeben“ an. Im April 1971 wurde Bertelsmann in
eine Aktiengesellschaft umgewandelt. 1974 erfolgte die Grundsteinlegung für
ein neues Verlags- und Verwaltungsgebäude der Bertelsmann AG in Gütersloh.
1975 wurde der Bertelsmann-Lesering 25 Jahre alt und umfasst 7,5 Millionen
Buchclub-Mitglieder, die 25 Buch- und Schallplattengemeinschaften in 18 Ländern
angehörten. Am 11. April 1976 starb der Mitbegründer des Leserings,
Fritz Wixforth. Bertelsmann versuchte zusehends weiter international an
Gewicht zu gewinnen und erwarb 1977 eine Mehrheitsbeteiligung an Bantam
Books, den bis dato größten Verlag der Welt. 1979 kam es zu einem Großbrand
in der Druckerei Mohndruck. Im gleichen Jahr wurde das amerikanische Label
Arista erworben. Später kamen auch noch das Plattenlabel RCA und das
Verlagshaus Doubleday hinzu. Die Musikaktivitäten wurden fortan unter dem
Label BMG gebündelt. 1980 besuchte Bundeskanzler Helmut Schmidt
Bertelsmann und sprach vor 3000 Mitarbeitern. Am 29. Juni 1981 erhielt
Reinhard Mohn anlässlich seines 60. Geburtstages die Ehrenbürgerschaft
der Stadt Gütersloh. 1985 hatte Bertelsmann nunmehr 150 Jahre Bücher
verlegt und den Buchclubs gehörten weltweit mehr als 16 Millionen
Mitglieder an.

1990 bis 1999
1990, mit der Wiedervereinigung Deutschlands und dem Ende des Kalten
Krieges expandierte die Bertelsmann AG auch in Osteuropa. Dem Unternehmen
gehörten damals 42.500 Mitarbeiter an und der Jahresumsatz betrug 13,323
Milliarden DM. 1993 übertrug Reinhard Mohn 68,8 % der Unternehmensanteile
der AG auf die bereits 1977 von ihm gegründete Bertelsmann Stiftung. Die
Familie Mohn kümmert sich bis heute über Sitze und Stimmen in der
Bertelsmann-Vermögensverwaltungsgesellschaft (BVG) um die Erhaltung der
Unternehmenskultur. In diesem Zusammenhang fiel einmal der Satz Reinhard
Mohns: „Die Hauptversammlung bin ich“.
1995 trat Bertelsmann zusammen mit AOL in Europa ins Multimediageschäft
ein, die Anteile wurden jedoch im Jahr 1998 schon wieder für 1,4
Milliarden Euro an AOL zurückverkauft. 1997 fusionierte die Ufa Film- und
Fernseh-GmbH mit der luxemburgischen CLT. 1998 wurde der Verlag Random
House mit Sitz in New York City aufgekauft. Im Jahr 2000 entstand unter
dem Namen RTL Group der größte Hörfunk- und Fernsehveranstalter
Europas. 1998 übernahm Thomas Middelhoff den Vorstandsvorsitz von Mark Wössner.
Im Jahr 2000 wurde der Verkauf der Anteile an AOL Europe für 6,75
Milliarden US-Dollar verkündet. Im Jahr 2002 übernahm Bertelsmann unter
dem neuen Vorstandsvorsitzenden Gunter Thielen Zomba Records und stützte
damit seine Musiksparte BMG. 2003 erwarb die Tochter Random House auch den
Heyne Verlag aus München. 2004 fusionierte BMG mit der Musiksparte des
Sony Konzerns zu Sony BMG Music Entertainment. Das neue Unternehmen ist
ein Joint Venture von Sony und Bertelsmann.
1999 bis heute
1999 übergab Reinhard Mohn die Führung an eine Verwaltungsgemeinschaft.
Sein Nachfolger Middelhoff setzte sich zum Ziel, jeden Mitarbeiter bis
2000 mit einem PC samt Peripherie für zuhause als Arbeitsanreiz
auszustatten. Aufgrund der Besteuerung solcher Geschenke zu fünfzig
Prozent hatten die deutschen Mitarbeiter das Geschenk zum größten Teil
selbst zu tragen. Nachdem Middelhoff unterging, schlug Thielen einen gänzlich
neuen Kurs ein. Thielen setzte auf Einsparungen. 2003 wurde die
eingesetzte Verwaltungsgemeinschaft für den Konzern in ihrer
Entscheidungskompetenz eingeengt auf die zwei Vertreter der Familie Mohn.
Im selben Jahr publizierte Reinhard Mohn ein Buch mit dem Titel „Die
gesellschaftliche Verantwortung des Unternehmers“, in welchem er die
neue Unternehmenspolitik der beiden Familienmitglieder samt ihrer
„Managergarde“ aufs schärfste angriff.
Die Bertelsmann AG ist mittlerweile eines der weltgrößten
Medienunternehmen mit Niederlassungen in 63 Ländern und mehr als 88.000
Mitarbeitern. Der Umsatz betrug konzernweit im Jahre 2005 17,9 Milliarden
€, der Gewinn vor Steuern (Operating EBIT) 1,6 Milliarden €.
Bis zum 30. Juni 2006 lagen 25,1 % der Kapitalanteile bei der Groupe
Bruxelles Lambert (GBL), zu 57,6 % bei der Bertelsmann Stiftung und zu
17,3 % bei der Familie Mohn. Mit dem 1. Juli 2006 wurde der Anteil der GBL
von der Bertelsmann Stiftung und der Familie Mohn mit etwa 4,5 Mrd. €
zurückgekauft. Die Kapitalanteile der Bertelsmann AG verteilen sich ab
Juli 2006 wie folgt: Bertelsmann Stiftung 76,9 %, Familie Mohn 23,1 %. Die
Stimmrechte liegen zu 100 % bei der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft.
Die Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft wiederum wird von der Familie Mohn
kontrolliert. Das stärkste Gewicht fällt dabei auf die zweite Ehefrau
Reinhard Mohns, Liz Mohn, die zugleich Mitglied im Aufsichtsrat der
Bertelsmann AG ist.
Im Jahr 2005 war Sony BMG das erste bekannt gewordene Unternehmen, welches
Rootkits für das digitale Rechtemanagement (DRM) einsetzte. Nach heftigen
Protesten von Kunden und Kritikern wurden diese jedoch zurückgezogen. Ein
Imageschaden konnte jedoch nicht vermieden werden. Rootkits werden von den
Programmierern von Mal- und Spyware verwendet, um ihre illegalen Aktivitäten
zu verbergen.
Am 6. September 2006 wurde bekannt, dass Bertelsmann seinen Musikverlag
BMG Music Publishing um 1,63 Mrd. € an Vivendi verkaufen wird. Mit
diesem Verkauf finanziert Bertelsmann zum Teil den Aktienrückkauf von der
belgischen Groupe Bruxelles Lambert vom 1. Juli 2006.