BASF
AG Badische Anilin- & Soda-Fabrik AG - (de)
Am 6. April 1865 wird in Mannheim-Jungbusch die Badische Anilin und Soda
Fabrik von Friedrich Engelhorn als Aktiengesellschaft mit einem
Grundkapital von 1,4 Mio. Gulden gegründet (neben Engelhorn als
Vorsitzenden erhielten noch August Clemm, Carl Clemm und Julius Giese
Direktionsposten). Sie ging auf die bereits seit 1848 in Mannheim
bestehende Badische Gesellschaft für Gasbeleuchtung zurück, welche sich
ebenfalls im Besitz von Engelhorn befand. Engelhorn versuchte damals den
bei der Leuchtgasgewinnung durch Verkokung anfallenden Steinkohlenteer zu
nutzen und begann deshalb Teerfarbstoffe und Farbstoffe auf Anilinbasis für
die Textilindustrie herzustellen. Zu diesem Zweck gründete er die BASF.
Bereits eine Woche nach der Gründung zog sie auf die andere Rheinseite in
das damals zur bayerischen Rheinpfalz gehörende Ludwigshafen, auf das
Gebiet des damaligen Hemshof, um (seit 1863 förderte der bayrische König
Maximilian II. die Ansiedelung von Industrieunternehmen, so dass die neue
Fabrik mit einer Subvention von 1,5 Mio. Gulden bedacht wurde).
Anfänglich produzierte das Unternehmen Teerfarbstoffe und deren
Vorprodukte, begann aber bald schon mit der Herstellung von
Textilfarbstoffen auf Indigobasis und erreichte innerhalb weniger Jahre
durch Ausbau und Akquisitionen eine führende Position auf dem weltweiten
Markt für Färbemittel. Eines der ersten vertriebenen Produkte waren
Anilinfarben auf Basis des aus Indigo gewonnenen Anilin. Bald schon folgt
die Herstellung der Farbstoffe Alizarin, Eosin, Auramin, Methylenblau und
Azofarbstoffe. 1880 wurde mit der Erforschung der synthetischen
Herstellung von Indigofarben begonnen, ein ungeheurer finanzieller
Kraftakt für das Unternehmen. 1897, nach 17 Jahren der Forschung, konnte
weltweit erstmals das als Heumann-Synthese bekannt gewordene Verfahren in
die Produktion übernommen werden.
In den 1880er Jahren gründete das Unternehmen Niederlassungen in
Frankreich, Russland und den USA. 1900 präsentierte sich die Badische
Anilin und Soda Fabrik Aktiengesellschaft auf der Weltausstellung in Paris
als größte chemische Fabrik der Welt. Damals waren im Werk in
Ludwigshafen 148 Chemiker, 75 Ingenieure 305 kaufmännische Beamte sowie
6.207 Arbeiter beschäftigt. 1901 konnte das Unternehmen mit den licht-
und waschechten Indanthren-Farben eine weitere Weltneuheit präsentieren,
welche in der Folgezeit die Indigofarben in Färbereien und Druckereien
ersetzen sollten.
Im Jahr 1903 kam es auf Betreiben des Bayer-Prokuristen Carl Duisberg zu
Versuchen, ein Chemie-Kartell zwischen BASF, Bayer, Hoechst, Leopold
Cassella & Co KG und Agfa zu schmieden. Zusammen mit Gustav von Brüning
(Generaldirektor der Hoechst) veröffentlichte er eine Denkschrift, in
welcher eine Fusion dieser Unternehmen angeregt wurde. Nachdem allerdings
Hoechst die Strategie änderte und die Casella übernahm, schlossen sich
1904 die drei verbliebenen Unternehmen BASF, Bayer und Agfa unter
Beibehaltung der unternehmerischen Unabhängigkeit zur
Interessengemeinschaft Farbenindustrie (auch Dreibund genannt) zusammen,
in welcher ein koordiniertes Vorgehen und die Kooperation in der
Farbenproduktion beschlossen wurde.
In der Folgezeit begann bei BASF die Erforschung der auch für die Rüstungswirtschaft
wichtigen Ammoniaksynthese, welche mit der Entwicklung des
Haber-Bosch-Verfahrens (1908/1912, 1910 reichte die BASF ein Patent für
dieses Verfahren ein, nachdem Fritz Haber zuvor ein fehlerhaftes Patent
darauf zurückzog) unter Mitarbeit von Alwin Mittasch in die Produktion übernommen
werden kann. 1913 ging die erste Ammoniaksyntheseanlage in Oppau in
Betrieb. Sie erreichte eine Jahresproduktion von 7.200 Tonnen Ammoniak
(heute liegt die Jahresproduktion dort bei 875.000 Tonnen Ammoniak).
Gleichzeitig wurde die Produktion von Düngemitteln aufgenommen. Daraufhin
wurde 1914 das Agrarzentrum Limburgerhof eröffnet, welches den Beginn der
industriellen Agrarchemie in Deutschland darstellte.
Im Ersten Weltkrieg wurde die BASF in die Rüstungswirtschaft integriert.
Neben Ammoniak und Salpeter als Ausgangsstoffe für die Sprengstoff- und
Schießpulverproduktion wurden auch Vorprodukte für die Giftgaserzeugung
hergestellt. 1916 errichtete die BASF mit den Leuna-Werken ein zweites
Ammoniak-Synthesewerk und baute die Oppauer Produktionsstätten aus, um
der starken Nachfrage, vor allem aufgrund der unerwarteten Kriegslage
(durch den Stellungskrieg wurde weit mehr Sprengstoff und Schießpulver
benötigt als vorgesehen), gerecht zu werden.
Die Produktion im Bereich Farben kam durch den Krieg (dreiviertel der
Absatzmärkte lagen im Ausland) fast zum erliegen, daher schlossen sich
nun die Farbenabteilungen des so genannten Dreibunds (BASF, Bayer und
Agfa) zusammen mit der Hoechst AG, Griesheim Elektron (heute Messer
Griesheim GmbH) und Weiler-ter-Meer bei fortdauernder Selbstständigkeit
der anderen Unternehmensbereiche zur erweiterten Interessengemeinschaft
Farbenindustrie zusammen, um Forschung, Einkauf und Absatz zentral zu
steuern. Der Gewinn wurde in eine gemeinsame Kasse gezahlt und nach einem
Beteiligungsschlüssel verteilt (für Hoechst, Bayer und BASF betrug die
Quote je 24,82 %).
Nach dem 1. Weltkrieg wurden die Produktionsanlagen der BASF von den
Alliierten größtenteils demontiert und die Patente beschlagnahmt. Das
Monopol auf viele von BASF entwickelte Farbstoffe ging verloren. Trotzdem
wurde die Produktion in den frühen 1920er Jahren schnell wieder
aufgenommen, allerdings erreichte die BASF nicht wieder die Stellung auf
dem Weltmarkt wie vor dem Krieg und geriet in schwere wirtschaftliche Nöte.
Im Juli 1919 übernahm die BASF den ersten in Deutschland geschlossenen
Tarifvertrag in der chemischen Industrie. Er sah die Reduzierung der
Arbeitszeit auf acht Stunden pro Tag und die Schaffung eines Betriebsrates
vor, welcher in der BASF erstmals 1920 gewählt wird und ab 1922 auch
Vertreter in den Aufsichtsrat des Unternehmens entsendet. 1921 wurde im
Werk Leuna ein Streik von 2.000 Arbeitern von Verbänden der Reichswehr
und der Sicherheitspolizei niedergeschlagen. Am 21. September 1921 wurde
bei einer sehr heftigen Explosion das Oppauer Stickstoffwerk vernichtet,
bei der 565 Menschen ihr Leben ließen und große Teile des Ortes Oppau
zerstört wurden.
Auf dem Höhepunkt der Inflation in der Weimarer Republik führte die BASF
1923 für ihre Mitarbeiter ein konzerneigenes Zahlungsmittel, den so
genannten „Anilindollar“, ein. Es sollte die Angestellten vor den
Folgen der galoppierenden Geldentwertung schützen und etablierte sich für
kurze Zeit als Ersatzwährung in der Region um Ludwigshafen. Im selben
Jahr gelang dem Chemiker Matthias Pier im Werk Ludwigshafen erstmals die
Methanolsynthese, welche bald in die Großproduktion übernommen wurde.
I.G. Farben AG (1925–1952)
Aufgrund zunehmender wirtschaftlicher Schwierigkeiten und wachsender
internationaler Konkurrenz vor allem durch die Vormachtstellung des
amerikanischen Chemiekonzerns DuPont nahmen die bereits eng
zusammenarbeitenden deutschen Chemiekonzerne 1923 konkrete
Fusionsverhandlungen auf.
Am 14. November 1924 wurde die Gründung der I.G. Farben AG beschlossen.
Die Farbwerke Hoechst AG (mit den zuvor übernommenen Chemiefabriken
Cassella und Kalle & Co. AG) übertrugen am 21. November 1925 ihr
gesamtes Vermögen auf die BASF. Auch Bayer, Agfa, Griesheim Elektron und
Weiler-ter-Meer folgten. Daraufhin änderte die BASF am 2. Dezember 1925
ihren Namen in I.G. Farbenindustrie AG und verlegte ihren Sitz nach
Frankfurt am Main. Der Vorstand des neuen Unternehmens umfasste 83
Personen, Carl Bosch übernahm den Vorsitz und Carl Duisberg wurde
Aufsichtsratsvorsitzender. Das Stammkapital der I.G. Farben AG betrug nun
1.1 Milliarden RM, die Mitarbeiterzahl lag 1924 bei etwa 80.000, es war
das größte Chemieunternehmen dieser Zeit.
In der Folge begann das Unternehmen, vor allem aufgrund der
prosperierenden Automobilindustrie, ab 1926 mit der Kohlehydrierung (nach
dem Bergius-Verfahren) zur Herstellung von Benzin. 1930 gelang bei der
Kautschuk-Synthese der Durchbruch, es wurde der weltweit erste
synthetische Kautschuk „Buna“ hergestellt. Da für diese Produkte sehr
viel Energie benötigt wurde, verlagerte die I.G. Farben AG ihre
Produktion zunehmend nach Mitteldeutschland, wo es große
Braunkohlenfelder gab. Die Werke Leuna und Buna wurden zum Zentrum des
Unternehmens. In den 1930er Jahren war das Unternehmen weltweit führend
in der Luftstickstoffindustrie, der Erzeugung von Teerfarben,
Sprengstoffen und Kunstfasern (1938 wurde das Perlon entwickelt, ein
Polyamid als Konkurrenz zu dem vom amerikanischen Chemiekonzern DuPont
1935 patentierten Nylon).
1930 zog die Zentrale der I.G Farben in das neue I.G.-Farben-Haus, das
nach dem Entwurf des Architekten Hans Poelzig von 1928 bis 1930 in
Frankfurt errichtet wurde. Bis in die 1950er Jahre galt das Gebäude,
dessen Baukosten rund 24 Millionen Reichsmark betragen haben, als eines
der modernsten und größten in Europa.
In der Anfangszeit konnte die I.G. Farben AG im Gegensatz zu vielen
anderen deutschen Großunternehmen dieser Zeit unternehmerisch frei
agieren. Ihre Aktien waren breit gestreut und nicht im Besitz deutscher
Großbanken oder eines Großaktionär. Dies änderte sich nach der Machtübernahme
der Nationalsozialisten 1933 als die I.G. Farben zunehmend unter
politischen Einfluss geriet und zu einem Staats- und Kriegskonzern
umgebaut wurde.
1935 wurde auf der Berliner Funkausstellung das Magnetophon präsentiert,
das in Zusammenarbeit mit der AEG entstand. Im Jahr darauf wurde der erste
praktikable Mehrschichtenfarbfilm der Welt vorgestellt.
Nach Kriegsbeginn 1939 produzierte die I.G. Farben für die
Kriegswirtschaft und unterstützte die Rekrutierung von Zwangs- und
Fremdarbeitern und die Ausbeutung von KZ-Häftlingen. Ab 1942 betrieb das
Unternehmen in der Nähe der polnischen Stadt Monowitz eine Fabrik mit
angeschlossenem Arbeitslager zur Produktion des synthetischen Kautschuks
Buna, der die deutsche Rüstungsindustrie von importiertem Naturkautschuk
unabhängig machen sollte. Das Lager Buna/Monowitz war ein Nebenlager des
Lagerkomplexes Auschwitz.
Ab 1941 erfolgte die erste Produktion von magnetischen Tonbändern im
Zweigwerk Agfa Wolfen der I.G. Farben. Im Herbst 1941 wurde in Auschwitz
erstmals das aus Blausäure für die Schädlingsbekämpfungsmittel
hergestellte Zyklon B zur Tötung von Menschen getestet, das von der
Degesch (Deutschen Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung), an der die
I.G. Farben AG mit 42,5 % beteiligt war (restliche Anteile: Degussa mit
ebenfalls 42.5 % und die Th. Goldschmidt AG in Essen mit 15 %), produziert
wurde und ursprünglich zur Entwesung von Kleiderläusen dienen sollte. In
der Folgezeit wurde das Giftgas in den Gaskammern von Auschwitz, Majdanek,
Sachsenhausen, Ravensbrück, Stutthof, Mauthausen und Neuengamme zur
Ermordung hunderttausender Menschen eingesetzt.
Am 26. März 1945 besetzten alliierte Truppen das Werk in Ludwigshafen,
welches bereits durch Bombenangriffe weitgehend zerstört war. Nach 1945
beschlagnahmten die vier Besatzungsmächte das gesamte Konzernvermögen.
In der sowjetischen Besatzungszone wurden die Werke (insbesondere Leuna
und Buna) zur Reparation demontiert oder verstaatlicht. Im November 1945
verfügte der alliierte Kontrollrat die Kontrolle und Auflösung der I.G.
Farben, (gemäß dem Morgenthauplan sollte die gesamte deutsche Industrie
demontiert werden). Aufgrund der guten Geschäftsbeziehungen des Konzerns
vor allem mit der amerikanischen Standard Oil und dem Chemiekonzern DuPont,
mit dem seit Beginn der 1930er Jahre eine Überkreuzverflechtung bestand,
wurde die vollständige Zerschlagung der I.G. Farben in den westlichen
Besatzungszonen nicht konsequent verfolgt. 1947/48 wurden vor einem
amerikanischen Militärtribunal 23 leitende Vertreter der I.G. Farben im
so genannten I.G.-Farben-Prozess angeklagt, 13 von ihnen wurden zu
Haftstrafen verurteilt.
Am 28. Juli 1948 kam es zu einer verheerenden Kesselwagenexplosion im
Ludwigshafener Werk, bei der 207 Menschen ihr Leben verloren und etliche
verletzt wurden.
1950 verfügten die Alliierten in den Westzonen die Entflechtung der I.G.
Farben. Am 30. Januar 1952 entstanden hieraus die folgenden 12
Unternehmen: Agfa, BASF, Cassella GmbH, Chemische Werke Hüls AG, Bayer
AG, Hoechst AG, Duisburger Kupferhütte AG, Kalle & Co. AG,
Wacker-Chemie, Dynamit AG, Wasag Chemie AG und Mainkur AG. Am 1. Januar
1952 trat die I.G. Farben AG in Liquidation und nannte sich I.G.
Farbenindustrie AG i.L., nur sie ist rechtlicher Nachfolger der I.G.
Farben.
Badische Anilin- & Soda-Fabrik Aktiengesellschaft (1952–1973)
In den Nachkriegsjahren wurde die Produktion im Ludwigshafener Werk unter
französischer Kontrolle langsam wieder aufgenommen. 1952 – nach der
Neugründung als Badische Anilin- & Soda-Fabrik Aktiengesellschaft –
wurde die Produktion zunehmend auf Kunststoffe ausgerichtet, deren
Verwendung in der 1950er Jahren rasant zunahm. Bereits 1951 wurde im Werk
Ludwigshafen das Styropor (Schaum-Polystyrol), welcher als Isoliermaterial
im Bau und in der Verpackungstechnik häufig Verwendung findet,
entwickelt. Außerdem produzierte die BASF das PA 6 Perlon (von den I.G.
Farben entwickelt) bzw. Nylon (PA 6.6 1935 von DuPont entwickelt),
Polyethylen und Polyvinylchlorid.
In den 1950er und 1960er Jahren begann die BASF mit dem systematischen
Aufbau von Produktionsstätten im Ausland. So entstanden Anlagen im europäischen
Ausland (vor allem in Frankreich, Belgien, Großbritannien und Spanien),
Amerika (vor allem USA aber auch Mexiko, Argentinien und Brasilien) sowie
in Japan und Australien. Einen Schwerpunkt bildete hierbei der
Produktionsstandort Antwerpen in Belgien, der zum zweitgrößten europäischen
Standort des Unternehmens wurde. In Texas, USA, wurde die Dow Badische
Chemical Company als Gemeinschaftsunternehmen mit Dow Chemical gegründet.
Durch einen Unfall wurden 1953 in einer Produktionsstätte im Werk
Ludwigshafen 55 Personen dem Giftstoff Dioxin ausgesetzt. Sie erkrankten
an Chlorakne und wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt. Die
Produktion in diesem Werksteil wurde in der Folgezeit zunächst wieder
aufgenommen, dann aber nach einem dioxin-bedingten Todesfall eingestellt
und die Produktionsstätte gesperrt. 1968 wurde das Gebäude unter großen
Sicherheitsvorkehrungen abgerissen.
Von 1954 bis 1957 wurde auf dem Gelände des Werks Ludwigshafen das
Friedrich-Engelhorn-Hochhaus, die neue Verwaltungszentrale der BASF,
errichtet.
Ab Mitte der 1960er Jahre war das Unternehmen bestrebt, seine
Produktionspalette verstärkt um verbrauchernahe und höherveredelte
Erzeugnisse zu erweitern. Hierzu wurde 1965 mit der Glasurit-Werke M.
Winkelmann AG eines der größten Unternehmen der europäischen
Lackindustrie übernommen. Der Bereich Lacke (heute BASF Coatings AG)
wurde 1967 durch die Dr. Beck & Co. AG, Spezialist für Isolierlacke
und Isolationswerkstoffe für die Elektroindustrie, und 1968 durch eine
Mehrheitsbeteiligung an der Herbol-Werke Herbig Haarhaus AG ergänzt.
Ein weiterer endverbrauchernaher Bereich wurde 1966 durch die Eröffnung
der Magnetbandfabrik in Willstätt bei Kehl am Rhein erschlossen. Hier
wurden von nun an Audio- und Video-Kassetten, Speichermedien für die EDV
sowie Druckplatten für das graphische Gewerbe hergestellt.
Zusätzlich begann die BASF mit dem Aufbau eines eigenen Pharmabereich.
Zuvor war das Unternehmen nur als Lieferant von Vorprodukten für die
pharmazeutische Industrie tätig. 1968 erwarb sie die Nordmark-Werke GmbH
in Hamburg (das 1927 gegründete Unternehmen produziert Medikamente gegen
Störungen des Zentralnervensystems, Blut-, Herz- und Kreislaufveränderungen
und Infektionskrankheiten).
1969 übernahm die BASF die Wintershall AG aus Kassel, und sicherte somit
ihre inländische Rohstoffversorgung ab. 1970 wurden die Produktionsstätten
der Wintershall AG mit der Salzdetfurth AG und der Burbach-Kaliwerke AG in
die neu gegründete Kali und Salz GmbH in Kassel eingebracht, an der die
BASF fortan die Aktienmehrheit hielt. Zudem erwarb sie zur Stärkung des
USA-Geschäfts die Wyandotte Chemicals Corporation aus Wyandotte, Michigan
(USA), einem bedeutenden Hersteller der chemischen Grundprodukte Ethylen-
und Propylenoxid sowie von Polyurethan. 1970 wurde zusammen mit Degussa in
dem Gemeinschaftsunternehmen Ultraform GmbH die Produktion von
Acetal-Copolymerisat aufgenommen.
BASF Aktiengesellschaft (1973–2001)
1973 wurde das bisher unter Badische Anilin und Soda Fabrik
Aktiengesellschaft firmierende Unternehmen auch offiziell unter der geläufigen
Kurzform BASF Aktiengesellschaft ins Handelsregister eingetragen.
Zur Stärkung des Pharma-Sektors übernahm man 1975 die Mehrheit an der
Knoll AG in Ludwigshafen. 1982 wurde die Knoll AG eine 100 %-Tochter. Während
der 1970er Jahre kam es über das Gemeinschaftsunternehmen Rheinischen
Olefinwerken GmbH in Wesseling zu einer umfangreichen Kooperation von BASF
und Shell bei der Herstellung des Kunststoffes Polypropylen. 1977 ging im
Werk Ludwigshafen die weltgrößte Anlage zur Herstellung von Acrylsäure,
dem wichtigen Vorprodukt zur Klebstoffproduktion auf der Basis von
Propylen in Betrieb – BASF wurde Marktführer auf diesem Gebiet. Die Dow
Badische Chemical Company wurde 1978 zu 100 % übernommen.
Zur weiteren Diversifizierung wurde 1982 das BASF-Riechstoffsortiment
entwickelt. In Ludwighafen wurden nun nach eigenem Verfahren Citronellal,
Citronellol und Hydroxycitronellal hergestellt, welche als Grundlage für
Seifen und Waschmittel dienen. Im selben Jahr übernahm die BASF von der dänischen
Firma Grindsted die Vitaminproduktionen zur Stärkung des Pharmabereichs.
Ab 1980 stieg BASF in ein weiteres neues Geschäftssegment ein: Unter dem
eigenen Markennahmen wurden Großrechner und zugehörige Peripheriegeräte
des Herstellers Hitachi verkauft, die zum System/370 des Marktführers IBM
kompatibel waren. Bereits 1988 brachte BASF nach einem Strategiewechsel
diese Aktivitäten in das Gemeinschaftsunternehmen Comparex ein und stieg
später ganz aus dieser Beteiligungsgesellschaft aus.
Der Bereich Pflanzenschutzmittel (heute BASF Plant Science) brachte 1983
das Gräserherbizid Poast auf den Markt, welches vorwiegend bei Soja und
Baumwolle eingesetzt wird. Im Jahr 1984 wurde die BASF über ihre Tochter
Elastogran GmbH erstmals in Osteuropa aktiv. Zusammen mit ungarischen
Partnern gründete sie die Kemipur GmbH, welche Polyurethan-Komponenten
produziert.
1985 wurde das Nordamerikageschäft durch den Erwerb der
Faserverbundwerkstoffproduktion von Celanese (American Enka) verdoppelt.
Die Faseraktivitäten der BASF wurden nun ganz auf den nordamerikanischen
Kontinent konzentriert. Nach dem Erwerb des amerikanischen Lackherstellers
Inmon wurde das gesamte Amerikageschäft neu strukturiert und alle
Teilbereiche in der neuen Gruppengesellschaft BASF Corporation
zusammengefasst.
1989 wurde die Umweltzentrale des Werkes Ludwigshafen in Betrieb genommen,
mit ihr werden Emissionswerte der Fabrik überprüft und die Kühlwasserabläufe
in den Rhein beobachtet.
In den 1990er Jahren wurde die BASF unter dem Vorstandsvorsitzenden Jürgen
Strube zunehmend weiter internationalisiert und die Aktivitäten des
Konzerns auf die Kerngeschäftsfelder Chemikalien, Kunststoffe,
Veredelungsprodukte, Pflanzenschutz und Ernährung sowie Öl und Gas
konzentriert. Ein erster Schritt stellte die Aufnahme des Handels mit der
BASF-Aktie an der Börse Tokio am 27. November 1990 dar.
Ebenfalls 1990 wurden die Magnetband-Aktivitäten der Agfa-Gevaert-Gruppe
übernommen und das Geschäft mit Magnetprodukten neu geordnet. Produktion
und Vertrieb der Bänder, Kassetten und Disketten wurden in die neue
Tochtergesellschaft BASF Magnetics GmbH eingebracht. Außerdem übernahm
die BASF das Synthesewerk Schwarzheide AG in der Niederlausitz von der
Treuhandanstalt. Es wurde als neue BASF-Tochter unter dem Namen ''BASF
Schwarzheide GmbH geführt. Es stellt vorwiegend Polyurethan-Grundprodukte
her und wurde in den folgenden Jahren stark ausgebaut.
Die BASF-Tochter Wintershall AG begann nun auch eine Kooperation mit dem
sowjetischen Konzern Gazprom. Dies führte zum Bau neuer
Erdgasinfrastruktur (Mitte-Deutschland-Anbindungsleitung (MIDAL),
Sachsen-Thüringen-Erdgasleitung (STEGAL) sowie den Erdgasspeicher Rehden)
für insgesamt 4 Mrd. DM. Der gemeinsame Vertrieb von Erdgas wird über
die Wingas GmbH mit Sitz in Kassel abgewickelt, welche sich zunächst zu
65 % im Besitz von Wintershall und zu 35 % im Besitz von Gazprom befanden.
An ihrem Standort in Antwerpen nahm die BASF 1994 den damals weltweit größten
Steamcracker in Betrieb, dessen Errichtung 1,3 Mrd. DM kostete. 1996 wurde
die Expansion nach Ostasien fortgesetzt. Zusammen mit dem malaiischen
Staatsunternehmen Petronas wurde eine der weltweit größten Anlagen zur
Produktion von Acrylmonomeren eingeweiht. Im Forschungsbereich Plant
Science gelang mit dem Mehltau-Fungizid Brio der Durchbruch zu einer völlig
neuen fungiziden Wirkstoffklasse, den Strobilurinen.
1997 führten BASF und Hoechst ihr Polypropylen-Geschäft in dem
Gemeinschaftsunternehmen Targor zusammen, außerdem wurde die BASF
Magnetics GmbH an die die koreanische Unternehmensgruppe KOHAP Inc. veräußert,
welche die Datenträgerproduktion unter dem Namen Emtec weiterführte.
Zusammen mit Shell gründete die BASF die Elenac als
Gemeinschaftsunternehmen zur Polyethylenproduktion. Ein Jahr später ging
im Werk in Port Arthur, Texas, der nun weltweit größte Steamcracker in
Betrieb.
1999 beschlossen BASF und Shell die Unternehmen Elenac, Targor und Montell
in einem paritätischen Joint-Venture zusammenzuführen. Dieses neue
Unternehmen, das vorwiegend Polyolefine produziert, bekam den Namen Basell
N.V. und sitzt in Hoofddorp in den Niederlanden. Im Mai 2005 wurde die
Basell N.V. für 4,4 Mrd. € an die amerikanische Holdinggesellschaft
Access Industries Inc. verkauft.
Im Februar 1999 zahlte die BASF in den Fonds der Stiftungsinitiative der
deutschen Wirtschaft (welcher zur Hälfte die Bundesstiftung
„Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, den sog. Zwangsarbeiterfond
finanzierte) 110 Mio. DM, und bekannte sich zu Ihrer historischen
Verantwortung.
2000 übernahm die BASF für 3,8 Mrd. $ das Pflanzenschutzgeschäft der
American Home Products Corporation und verdoppelte damit den Umsatz der
Sparte Pflanzenschutzmittel, welcher im Jahr 2003 noch durch die Übernahme
eines Teils der Pflanzenschutzproduktion von Bayer (u.a. mit dem
Insektizid Fipronil und weiteren Fungiziden) für 1,2 Mrd. € verstärkt
wurde. Der Bereich Lebensmittelchemie wurde durch den Erwerb des
Vitamingeschäfts der Takeda Chemical Industries Ltd. aus Japan erweitert.
Die BASF wurde damit zum zweitgrößten Vitaminhersteller der Welt.
Ebenfalls im Jahr 2000 legte die BASF ihre Textilfarben-Aktivitäten mit
denen der DyStar, einem Joint-Venture zwischen Bayer und Hoechst, zusammen
(Hoechst und Bayer halten jeweils 35 %, BASF 30 %).
BASF Aktiengesellschaft (Seit 2001)
Im März 2001 verkaufte die BASF im Zuge der Ausrichtung auf ihre
Kernaktivitäten ihr Pharmageschäft, mit u.a. der Knoll AG an die Abbott
Laboratories Inc. aus Illinois/USA. Im darauf folgenden Jahr wurde der
Standort Antwerpen um die weltweit größte Produktionsanlage für
Superabsorber erweitert. Die BASF stärkte damit ihre Stellung als
Weltmarktführer im Bereich Acrylsäure und Superabsorber. Bis 2003
verringerte die BASF ihre Beteiligung an der K+S AG (früher Kali und Salz
GmbH) schrittweise auf 10 %.
2004 gab Vorstandsvorsitzender Dr. Jürgen Hambrecht die Strategieplanung
BASF 2015 aus, mit ihr erfolgte eine Auffrischung und Vereinheitlichung
der weltweiten Marktpräsenz mit einem leicht veränderten Logo und dem
Slogan BASF, The Chemical Company. Die Beteiligung an dem Joint Venture
Dystar wurde an den amerikanischen Investor Platinum Equity veräußert.
Im September 2005 nahm der Standort Nanjing, welcher für 2,9 Mrd. €
errichtet wurde, die Produktion auf. Zukünftig werden hier vorwiegend
Styrol, Polystyrol, Ethylen und Propylen hergestellt werden. Der neue
Standort stellt nach Ludwigshafen und Antwerpen das drittgrößte Werk der
BASF dar.
Im März 2006 übernahm BASF die Bauchemieaktivitäten der Degussa AG für
2,8 Mrd. €. Anfang des Jahres hatte BASF bereits mit einer als feindlich
empfundenen Übernahmeofferte an die amerikanische Engelhard Corp.
begonnen. Nachdem das ursprüngliche Angebot von 37 $ auf 39 $ je Aktie
erhöht wurde, stimmte der Vorstand der Engelhard Corp. nach anfänglichem
massiven Widerstand der Übernahme zu, welche die BASF 4,8 Mrd. $ (3,8
Mrd. €) gekostet hat.
Am 1. Juli 2006 verkündete die BASF den Erwerb des US-Harzspezialisten
Johnson Polymer für 470 Millionen Dollar. Mit dem Kauf will BASF seine
Marktstellung in Nordamerika verbessern. Die Geschäfte der US-Firma
sollen in den BASF-Bereich Veredelungschemikalien integriert werden.
Im März 2007 wird in Freeport, Texas eine gegenüber Antwerpen nochmals
um 50% Kapazität gesteigerte Superabsorberanlage in Betrieb gehen, während
parallel dazu auch die Produktion in Belgien auf diese Menge erweitert
wird. US-Amerikanische BASF-Betriebe in Aberdeen, Mississippi und
Portsmouth, Virginia werden in diesem Zuge geschlossen.
Die BASF plant ihre internationalen Aktivitäten zu erweitern und baut
ihre Standorte besonders im asiatischen Raum aus. BASF hat sich das Ziel
gesetzt, bis 2010 einen Anteil von 20 Prozent ihres weltweiten Umsatzes
und Ergebnisses aus dem Chemiegeschäft in der Region Asien/Pazifik zu
erzielen. Bis zu diesem Zeitpunkt sollen 70 Prozent des Konzernumsatzes in
dieser Region aus lokaler Produktion stammen.