Vivendi
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Vivendi (von Dezember 2000 bis April 2006 Vivendi Universal) ist ein
französischer Medienkonzern mit Hauptsitz in Paris, der in den
Branchen Musik, Fernsehen, Film, Verlagswesen, Telekommunikation und
Internet teilweise international tätig ist. Er wird an der Börse in
Paris gehandelt und sowohl im CAC40 als auch im Dow Jones Euro Stoxx
50 geführt.

Bereits seit 1995 trägt eine Softwarelösung für das Sozialwesen den
Namen Vivendi. Der Hersteller, die Connext Communication GmbH aus
Paderborn, ist auch Inhaber der Rechte an der Marke Vivendi in der
Bundesrepublik Deutschland.
Zu zweifelhaftem Ruhm gelangte das Unternehmen, dessen Wurzeln in das
19. Jahrhundert zurückreichen, durch einen Rekordverlust von über 23
Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2002 – der höchste Verlust, den
ein französisches Unternehmen bis zu diesem Zeitpunkt zu verkraften
hatte.
Geschichte der Vorgängergesellschaften
Compagnie Générale des Eaux
Am 14. Dezember 1853 wurde per Dekret in Paris die
Wasserversorgungsgesellschaft Compagnie Générale des Eaux (CGE) gegründet,
die 1854 eine Konzession auf hundert Jahre erhielt, die Stadt Lyon mit
Trinkwasser zu versorgen. Die CGE erhielt 1861 eine weitere Konzession
auf 50 Jahre, für die Versorgung der Stadt Paris. Wasserversorgung
blieb bis weit ins 20. Jahrhundert hinein das Kerngeschäft.
Der Wechsel des CEO im Jahr 1976 markierte einen Wechsel in der
strategischen Ausrichtung des Unternehmens. Die CGE begann kleinere
Unternehmen zu übernehmen und wurde ab 1980 auch auf weiteren
Sektoren tätig: Abwasser- und Abfallverwertung, Energieversorgung,
Transportdienstleistungen, Bauwesen und Immobilienhandel.
1983 beteiligte sich die CGE an der Schaffung von Canal+, dem ersten
Pay-TV-Sender Frankreichs. Ein neuer CEO prägte ab 1996 einen neuen
Expansionskurs der CGE; die Gründung der Cegetel bildete die
Grundlage für den Einstieg ins Geschäft mit Telekommunikation und
Massenmedien.
Vivendi
1998 änderte nach knapp 95 Jahren das Unternehmen seinen Namen in
Vivendi, womit der traditionsreiche Name Compagnie Générale des Eaux
respektive das inzwischen wesentlich häufiger anzutreffende Kürzel
CGE verschwanden.

Der im selben Jahr in Frankreich liberalisierte
Telekommunikationsmarkt verhalf Vivendi über die Tochter Cegetel zu
beschleunigtem Wachstum und führte zu einer weiter verstärkten
Ausrichtung in Richtung Medienkonzern. Einerseits wurden hierzu
weitere Unternehmen respektive Anteile an Unternehmen hinzugekauft,
andererseits wurden bestehende Engagements in eigenständige
Gesellschaften ausgegliedert oder verkauft; 1999 trennte sich Vivendi
vom Baugewerbe und der Immobilienverwaltung.
Im Juni 1999 fusionierte Vivendi mit Pathé und behielt deren Anteile
an British Sky Broadcasting Group (BSkyB) und CanalSatellite. Weitere
ehemalige Pathé-Beteiligungen, sowie die Namensrechte an Pathé
wurden dagegen an die französische Familienholding Fornier verkauft,
die daraufhin ihren Namen in Pathé änderte.
Im Juli 2000 folgte eine tief greifende Veränderung: die
Umwelttechniksparten (Wasser, Entsorgung, Energie, Transport), die
jahrelang das Kernsegment des Unternehmens bildeten, wurden in das
eigenständige Unternehmen Vivendi Environnement ausgelagert und an
die Börse gebracht (IPO in Paris im Juli 2000, IPO in New York im
Oktober 2001). Während Vivendi keine sechs Monate später den Namen
in Vivendi Universal ändert, erfolgt die Umbenennung von Vivendi
Environnement in Veolia Environnement erst im Jahr 2003.
Vivendi Universal
Im Dezember 2000 fusionierte der verbliebene Teil des Vivendi-Konzerns
– die Medien- und Telekommunikationssparten – mit der
Canal+-Gruppe und der kanadischen Seagram, Besitzerin der ehemaligen
MCA-Unternehmen Universal Music und Universal Studios. Aus der Fusion
entstand Vivendi Universal (VU) der größte französische
Medienkonzern, der mit Universal Music, die weltweit größte
Plattenfirma und via die Universal Studios-Holding eines der sechs
Major-Studios in Hollywood kontrollierte. Durch die Fusion wird
gleichzeitig die Familie um Edgar Bronfman jun., die bereits Seagram
kontrollierte, größte Einzelaktionärin von Vivendi Universal.
Während das erste Geschäftsjahr des neuen Medienkonzerns praktisch
unbeachtet verstrich, häuften sich bereits 2002 verschiedene
finanzielle Probleme, die man nicht mehr zu verbergen vermochte. Das
Unternehmen begann Umschichtungen vorzunehmen und diverse
Beteiligungen zu verkaufen – der Anteil an Vivendi Environnement
wurde auf 40% gesenkt – während CEO Jean-Marie Messier bekräftigte,
es handle sich nur um einige Schwierigkeiten.
Noch im Juli 2002 musste Messier das Unternehmen verlassen und eine
tief greifende Restrukturierung musste eingeleitet werden, um einen
drohenden Bankrott abzuwenden. Es folgten weitere Verkäufe, der
Anteil an Vivendi Environnement wurde auf 19,6% gesenkt.
Als am 6. März 2003 der Jahresbericht für das Geschäftsjahr 2002
veröffentlicht wurde, wurde das wahre Ausmaß der
"Schwierigkeiten" publik: Das Unternehmen fuhr einen Verlust
von 23,3 Milliarden Euro ein und hatte Nettoschulden von 12,3
Milliarden Euro. Um aus der finanziellen Misere herauszukommen, sah
man vor, im Laufe des Jahres 2003 Unternehmensteile im Wert von 7
Milliarden Euro zu verkaufen.

Vivendi Universal
Entertainment
Die Ankündigung des Verkaufs solch teuerer Unternehmensteile machte
deutlich, dass es sich dabei um einen der größeren, ehemaligen Teile
von Seagram handeln müsse. Da die Universal Music Group (UMG) bereits
das größte Unternehmen ihrer Branche war und rentabel arbeitete, rückte
Vivendi Universal Entertainment (VUE) in den Mittelpunkt des
Interesses. Bereits im Mai 2003 teilten Vivendi Universal und die
National Broadcasting Company (NBC) mit, dass man sich über die Übernahme
von VUE und die Zukunft der sie kontrollierenden Universal Studios
Holding grundsätzlich einig geworden sei und das Geschäft von den
diversen Kartell- und Wettbewerbsbehörden genehmigt werden müsse.
Am 8. Oktober 2003 unterzeichneten General Electric (GE), der
Mutterkonzern von NBC, und Vivendi Universal das endgültige Übereinkommen
über die Schaffung des Medienkonzerns NBC Universal (NBCU) durch die
Kombination von NBC und VUE. Vollzogen wurde die vertraglich
vereinbarte Zusammenlegung am 11. Mai 2004, nach der Zustimmung aller
dafür zuständigen Behörden. NBC Universal nahm am 12. Mai 2004
seine Geschäfte auf.

Für den allfälligen Verkauf der Minderheitsbeteiligung von VU an
NBCU bestehen diverse Regelungen. Eine Sperrfrist erlaubt es VU die
Anteile frühestens ab 2006 zu veräußern und sichert GE ein
Vorkaufsrecht. Die Vereinbarungen reichen bis ins Jahr 2010 und geben
gesetzt den Fall dass VU bis dahin seine Anteile nicht veräußert
hat, GE die Möglichkeit VU zum Verkauf der Anteile zu zwingen, womit
VU spätestens im Jahr 2011 keine Anteile an NBCU mehr besitzen wird.
Vivendi
Am 20. April 2006 beschlossen die Aktionäre an der Hauptversammlung
den Namen des Unternehmens wieder in Vivendi zu ändern. Damit einher
ging auch die Einführung einer neuen Corporate Identity.
Am 6. September 2006 wurde bekannt, dass Bertelsmann seinen
Musikverlag BMG Music Publishing für 1,63 Mrd. € an Vivendi
verkaufen wird. Durch diesen Kauf wird Vivendi zum größten
Musikverlag der Welt.
Tochtergesellschaften
Universal Music Group
Die Universal Music Group (UMG) gilt als Major Label. Sie entstand
1995 aus der Übernahme der Music Corporation of America (MCA) durch
Seagram und den Zukauf von PolyGram 1998. Seit der Zusammenführung
von Seagram/MCA und PolyGram, ist die UMG das weltweit größte
Unternehmen im Musikgeschäft und hat 2005 einen weltweiten
Marktanteil von 25,6%.

Zu Universal Music gehören unter anderem die Plattenfirmen Motown
Record Company, Verve Music Group, Mercury Nashville, Island Def Jam
Records, Polydor, Urban, Koch International und Deutsche Grammophon.
Die deutsche Niederlassung in Berlin war 2003 Gründungsgesellschafter
der Popakademie Baden-Württemberg GmbH. Ziel des Engagements ist die
fundierte Ausbildung des zukünftigen Managementnachwuchses im Rahmen
des Bachelor-Studiengangs Musikbusiness.
Vivendi Games
Zu den in Vivendi Games (bis April 2006 Vivendi Universal Games)
enthaltenen Spieleentwicklern und Distributoren gehören unter anderem
Sierra Entertainment (Kings Quest, Space Quest, Leisure Suit Larry)
und Blizzard Entertainment (Warcraft, Diablo, World of Warcraft,
Starcraft, Starcraft Ghost). Zu Vivendi Games gehört ferner die von
Sierra geschluckte Cocktel Vision (Gobliiins, Woodruff). Neben
Electronic Arts und Activision gehört Vivendi Games zu den Großen im
Computer- und Video-Spielgeschäft.
Valve hat sich nach einigen Jahren von Vivendi Universal getrennt und
arbeitet nun mit Electronic Arts zusammen.
Canal+ Group
Die Canal+ Group ist einer der größten europäischen
Bezahlfernsehanbieter mit (2003) 230 Fernsehkanälen und Telediensten.
Mit rund fünf Millionen Abonnenten in Frankreich ist Canal+ Marktführer.
Zur Gruppe gehört auch das Unternehmen StudioCanal, mit den
Schwerpunkten Filmdistribution, Filmproduktion und Filmrechtehandel.
StudioCanal besitzt die weltweit drittgrößte Filmbibliothek.
SFR
SFR (ursprünglich Société Française de Radiotéléphonie) ist der
zweitgrößte Mobilfunkanbieter in Frankreich, an dem Vivendi mit 56%
beteiligt ist; die anderen 44% werden von Vodafone gehalten. SFR hat
rund 17,2 Millionen Kunden (2005) und einen Marktanteil von 35,8%. Die
SFR hält eine Beteiligung von 34,9% an Neuf Cegetel, dem zweitgrößten
Festnetzanbieter Frankreichs.

Maroc Telecom
Maroc Telecom ist die ehemalige staatliche Telefongesellschaft
Marokkos und mit 5,2 Millionen Kunden (2003) der führende
marokkanische Anbieter in den Bereichen Festnetz, Mobiltelefon und
Internet. Vivendi ist an dem Unternehmen mit 51% beteiligt.
Beteiligungen
NBC Universal
Am US-amerikanischen Medienkonzern NBC Universal ist Vivendi mit 20%
beteiligt.