Anglo
American - (de)
Anglo American ist ein weltweit agierender Konzern, der sich im Bergbau
und in der Verarbeitung von Rohstoffen engagiert. Der Hauptsitz befindet
sich in London und in Johannesburg. Das Unternehmen beschäftigt rund
209.000 Mitarbeiter und ist das drittgrößte seiner Art. Der
Bergbausektor ist vor der Papier und Verpackungsherstellung, sowie der
Metallveredlung, das Kerngeschäft von Anglo American.
Die Anglo American Corporation wurde 1917 von Sir Ernest Oppenheimer gegründet,
um die Goldvorkommen des südafrikanischen East Rand auszuschöpfen. Das
Startkapital von einer Million Pfund stammte zum größten Teil von
britischen und amerikanischen Investoren. Unter dem Vorsitz des Sir Ernest
Oppenheimer baute Anglo American seine Rolle im Abbau von Gold aus und übernahm
1926 die Aktienmehrheit an De Beers, dem führendem Unternehmen des
Diamantenabbaus, in welchem Oppenheimer ebenfalls die Position des
Vorstandsvorsitzenden einnahm. Anglo American vergrößerte sich in den
folgenden Jahren und erweiterte vorhandene Geschäftsfelder. So beteiligte
man sich an der Entstehung des sambischen Kupfergürtels, schöpfte die
von Hans Merensky entdeckten Platinvorkommen aus und förderte den Aufbau
der AECI (African Explosives and Chemical Industries), eine Geschäftssparte,
von deren Anteilsmehrheit man sich 2001 trennte.
In den 1940iger und 50iger Jahren fokussierte sich das Unternehmen auf die
Ausbeutung Free State und Vaal Reefs Goldmienen. Der Erfolg in dieser
Unternehmung brachte Anglo American eine Position unter den weltweit führenden
Bergbaugesellschaften. Nach dem Tod Sir Ernest Oppenheimers übernahm sein
Sohn Harry Oppenheimer die Position des Vaters.
1961 begann Anglo American sein Engagement mit der Übernahme der Hudson
Bay Mining and Smelting Company in Kanada und der Minerals and Resources
Corporation (später Minorco) außerhalb Afrikas zu verstärken. Durch die
Gründung der Mondi Group im Jahre 1967 wurde Anglo American zu einem der
größten Lieferanten für Papier und Packmittel in Europa.
1975 befanden sich acht Kohlebergwerke im Besitz von Anglo American. Diese
wurden im Tochterunternehmen Amcoal (später Anglo Coal) zusammengefaßt.
Zudem war das Unternehmen maßgeblich an der Entstehung des Richards Bay
Coal Teminals beteiligt, der Südafrika rasch zu einem der weltgrößten
Kohleexporteure aufstiegen ließ.
Nachdem Harry Oppenheimer zwischen 1982 und 1984 aus der Führung von
Anglo American und De Beers ausschied, übernahmen Gavin Relly und Julian
Oglivie Thompson die Posten der Vostandsvorstandsvorsitzenden der
jeweilige Unternehmen.
In den Neunzigern folgten weitere Gründungen und Akquisitionen von
Bergwerken und Förderunternehmen. In Chile erfolgte die Eröffnung zweier
Kupferminen in den Jahren 1993 und 1999, in Mali die der Sadiola Hill
Goldmine, 1997 der Kauf von Kohlenbergwerken in Lateinamerika und der Bau
von Nickel und Zinkminen in Venezuela und Irland. Infolge weitflächiger
Umstrukturierungen wurden die Firmensitze von Anglo American und Minorco,
deren Sitz zuvor in Luxemburg gelegen hatte, in London durch die neu
entstandenen Anglo American plc. zusammengelegt. Zugleich erfolgte eine
Trennung von Verwaltungs- und technischer Kompetenzen zwischen De Beers
und Anglo American.
Das Unternehmen heute
Anglo American plc ist mit seiner Vielzahl an Tochterunternehmen und
Unternehmensbeteiligungen mit dem Abbau von Rohstoffen wie Platin,
Diamanten, Gold, Kohle, Kupfer, Zinn und Nickel, Eisenerz beschäftigt.
Zudem betreibt der Konzern Anlagen zur Gewinnung von Magnesium, Stahl oder
Vanadium. Über Mondi ist man außerdem an der Herstellung von Papier und
Packstoffen beteiligt.
Gold
Anglo American ist mit 41.8% an AngloGold Ashanti, dem viert größten
Goldproduzenten der Welt, beteiligt. AngloGold Ashanti entstand 2004 aus
der Fusion von Anglo Gold und ghanesische Ashanti Goldfields. Das
Unternehmen ist mit insgesamt 25 Unternehmungen in elf verschiedenen Ländern
beteiligt. Der jährliche Ausstoß liegt etwa bei 6 Millionen Unzen Gold.
Neben der Ausbeutung bekannter Lagerstätten, betreibt das Unternehmen
weltweit die Suche nach neuen Vorkommen.
Diamanten
An dem Diamateabbaukonzern De Beers ist Anglo American mit 45%, die
Familie Oppenheimer mit 40% und der Staat Botswana mit fünfzehn Prozent
beteiligt. Über seine Beteiligungen an Unternehmen wie Debswana Diamond
Company oder Namdeb Diamond Corporation, ist De Beers mit 40% der weltweit
unangefochtene Spitzenreiter in der jährlichen Förderung von Diamanten.
Außerdem ist es über sein hauseigenes Vermarktungsunternehmen für über
50% der weltweit umgeschlagenen Diamanten verantwortlich.
Platin
Über sein Tochterunternehmen Anglo Platinum betreibt Anglo American den
Abbau, die Verfeinerung und den Verkauf von Platin. Dabei ist Anglo
American mit 38% des jährlichen Platinausstoßes der weltweit größte
Platinproduzent. Im Besitz des Unternehmens befinden sich sechs
Platinminen sowie Platinschmelzen und Anlagen zur Verfeinerung von Platin.
Dabei kann es auf die größte bekannte Platinlagerstätte, den
Bushveld-Complex, zurückgreifen. Zusätzlich stehen mehrere
Platinvorkommen als Reserve zu Verfügung, die es gestatten für die
folgenden Jahre die Platinförderung zu sichern.
Eisenmetalle
In Anglo Ferrous Metals and Industries verwirklicht Anglo American den
Abbau und den Vertrieb von Eisenmetallen wie Eisenerz, Chrom, Magnesium,
Vanadium und Carbonstahl.
Kohle
Über das Tochterunternehmen Anglo Coal, welches zu hundert Prozent Anglo
American gehört, wird der Geschäftsbereich des Kohleabbaus gesteuert.
Bergwerke von Anglo Coal befinden sich in Australien, Kolumbien, Venezuela
und in Südafrika.
Papier und Packmittel
Eine hundertprozentige Tochter von Anglo American ist der Papier und
Packmittelhersteller Mondi, welcher sich in die Geschäftsbereiche Mondi
Packaging und Mondi Business Paper gliedert. Die Produktpalette von Mondi
Packaging erstreckt sich mit Papier, Tüten oder Überzügen auf über
hundert Produkte. Das Unternehmen ist mit Betrieben in 37 Ländern
vertreten und beschäftigt etwa 16.000 Menschen. Mondi Business Paper gehört
zu den größten Herstellern von qualitativ hochwertigem Papier für den Bürobedarf.
Es verfügt über insgesamt neun Fabriken in Österreich, Russland, der
Slowakei, Ungarn, Israel, Russland und Südafrika. Mit etwa 17.000 Beschäftigten
erreicht Mondi Business Paper einen jährlichen Ausstoß von rund zwei
Millionen Tonnen Papier. Zudem ist Mondi an den Papierherstellern und
Druckereien Europapier (90%), Aylesford Newsprint (50%), Mondi Shaduka
Newsprint (50%) und Mondi Packaging South Africa (55%) beteiligt.
Unedles Metall
Anglo Base Metals bedient die Nachfrage nach unedlen Metallen, wie Kupfer,
Zink, Nickel oder mineralhaltigem Sand. Das Unternehmen ist mit
verschiedensten Unternehmensbeteiligungen in Süd Afrika, Irland, Peru,
Brasilien und Namibia vertreten.
Industriemineralien
Anglo Industrial Minerals besteht aus den Unternehmen Tarmac und Copebrás.
Davon ist Tarmac für 90% des Gesamtergebnisses von AIM verantwortlich.
Tarmac ist Marktführer von Asphalt, Zuschlagsstoffen, Betonstein und Mörtel
in Großbritannien. Außerdem ist es führend in der Herstellung von Sand,
Schotter und Steinprodukten in Deutschland, in Tschechischen und Rumänien.
Copebrás ist ein in Brasilien beheimatetes Unternehmen, welches Phosphate
und Grundstoffen für die Tierfutterindustrie fertigt.