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Flying-P-Liner - (de)

Flying-P-Liner oder kurz P-Liner nannten Seeleute in der Zeit der Windjammer hochachtungsvoll die Schiffe der Hamburger Reederei F. Laeisz (besser bekannt unter dem Kürzel "FL" - als rote Buchstaben auf weißem Grund das Reedereiemblem). Die Segelschiffe von F. Laeisz trugen zu Anfang nur vereinzelt "P"-Namen. Die oft ausländisch klingenden Namen dienten bewusst dazu, die Blockade während des Deutsch-Dänischen Krieges zu unterlaufen. Die schnellen Segler, deren Namen seit 1876 generell mit dem Buchstaben „P“ anfingen (die von FL in der Zeit bereederten Dampfer unterlagen nicht dieser Regel), waren für ihre Robustheit und Geschwindigkeit unabhängig vom Wetter berühmt, ihre Zuverlässigkeit kam der eines Linienbetriebes nahe, der sonst nur Dampfschiffen zugetraut wurde. Carl Laeisz gab seinen Kapitänen stets mit auf den Weg: „Meine Schiffe können und sollen schnelle Reisen machen!“


Nach einer Statistik der Klassifikationsgesellschaft Bureau Veritas von 1908 gingen pro Jahr durchschnittlich 3% der Segelschiffe verloren, während bei den P-Linern ein Verlust von nur 0,9% pro Jahr zu beobachten war. "FL" verlor durch eigene Schuld keinen seiner Vier- oder Fünfmaster!

Das Geheimnis des Erfolges der Laeisz-Schiffe waren ihr stets neuester technischer Stand, die weit über das übliche Maß gehende stärkere Bauweise und die damit verbundene Standfestigkeit gegenüber den Unbillen von Wind und Meer, dazu hervorragende Instandhaltung, auch bei den Holzschiffen. Nach Berichten kam es vor, das Laeisz-Schiffe Kap Hoorn in starkem Sturm umrundeten, während andere Schiffe Schutz zum Abwettern suchen mussten. Durch ihren guten Ruf fand die Reederei fähige Kapitäne und konnte handverlesene Mannschaften durch gute Behandlung, Verpflegung und Bezahlung an sich binden. Dazu kam eine erstklassige Organisation, die sich durch Agenten vor Ort in den entlegenen Salpeterhäfen Chiles um zügigen Warenumschlag und Abfertigung kümmerte. Damit verkürzten sich die teuren Liegezeiten gegenüber dem Großteil der Konkurrenz um Tage bis Wochen. Auch die große französische Reederei A. D. Bordes & Fils, ebenfalls bekannt für ihre schönen und schnellen Segler, verfuhr ähnlich. Zudem wurden spätestens seit Robert Hilgendorf, der bereits früh Mathew Fontaine Maurys Werke (Wind und Strömungskarte des Nordatlantik, Segelanweisungen) kannte und anwandte, alle verfügbaren Daten, insbesondere die Beobachtungen der deutschen Kapitäne über die Wind- und Strömungsverhältnisse unterwegs zentral gesammelt, ausgewertet und damit verbessert und verfeinert. Robert Hilgendorf, der als Flying German oder Teufel von Hamburg (Düwel von Hamborg) bekannt wurde, war der bekannteste Segelschiffsführer der Laeisz-Flotte und erster Kapitän der legendären Fünfmastbark Potosí, mit der er seinerzeit zahlreiche neue Reiserekorde aufstellte. Auch später fuhr die große Bark herausragende Fahrten. So schaffte sie die Reise von Chile nach England 1904 in der Rekordzeit von 57 Tagen, in der Gegenrichtung (1905) 59 Tage, jeweils rund Kap Hoorn. Zwischen 1896 und 1914 benötigte sie für keine ihrer 22 Chile-Reisen mehr als 86 Tage.


Ferdinand Laeisz' Nachfolger Carl Laeisz und Carl Friedrich Laeisz gehörten zu den letzten Reedern, die auf das Segelschiff setzten und damit sehr erfolgreich waren. Die Reederei setzte ihre Schiffe vor allem in der Salpeterfahrt ein, auf der natürlicher Salpeter aus Chile nach Europa transportiert wurde. Auf der Ausfahrt wurden Industriegüter von Europa nach Chile gebracht. Die Route führte auf der Hin- und Rückreise um Kap Hoorn.

Die Reederei Laeisz glaubte an die Zukunft der stählernen Segler und experimentierte mit Fünfmastern, zunächst mit der Fünfmastbark Potosí von 1895. Das Fünfmast-Vollschiff Preußen sollte im Jahr 1902 der Prototyp für das Segelschiff der Zukunft sein, aber der Größensprung bewährte sich nicht. Das Schiff war den Kapitänen und Mannschaften nicht mehr geheuer, und 8000 t Fracht für die Ausreise in die entlegenen Häfen waren kaum zu organisieren. Als die Preußen 1910 verloren ging, gab Laeisz als Ersatz die Peking und die Passat in Auftrag, beide nur halb so groß. Diese Viermastbarken schienen von der Größe und vom Typ her ideal für die Salpeterfahrt und waren Vorbild aller späteren Neubauten.

Im Ersten Weltkrieg waren viele P-Liner in Chile interniert und mussten danach an die Alliierten als Reparationen abgeliefert werden, die aber nichts damit anzufangen wussten. Laeisz glaubte weiter an die Zukunft der Segelschiffe, kaufte seine Schiffe billig zurück und beauftragte sogar noch Neubauten. Das letzte Schiff war die Padua, die 1926 vom Stapel lief und der letzte Großsegler überhaupt sein sollte, der rein für die Frachtfahrt gebaut wurde.


Noch 1931 betrieb Laeisz in der Salpeterfahrt eine Flotte von sechs Seglern, die zu der Zeit bereits von Journalisten und Schriftstellern (z. B. Alan Villiers und Irving Johnson) beachtet wurden. Kurz darauf zwang die Weltwirtschaftskrise zur Aufgabe, nur der finnische Reeder Gustaf Erikson betrieb noch einige Jahre eine große Zahl von Windjammern in der Frachtfahrt, darunter viele P-Liner.

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