Deutsche
Bank AG - (de)
Von 1870 bis zu Industrieprojekten 1880-1890
Die Gründungsversammlung der Deutschen Bank als Aktiengesellschaft fand
am 22. Januar 1870 in Berlin statt. Das Aktienkapital betrug 5 Millionen
Taler (15 Millionen Mark, heutiger Gegenwert ca. 1 Milliarde €). Gründer
waren u. a. der Privatbankier Adelbert Delbrück und der Politiker und
Bankier Ludwig Bamberger, die eine große Bank – hauptsächlich für den
überseeischen Handel – schaffen wollten. Nach Genehmigung des Gründungsstatuts
und Erteilung der Konzession durch die Preußische Staatsregierung am 10.
März (was als offizielles Gründungsdatum gilt) nahm die Deutsche Bank am
9. April 1870 ihren Geschäftsbetrieb in der Französischen Straße 21 in
Berlin auf. Die ersten Direktoren waren Wilhelm Platenius, Georg von
Siemens und Hermann Wallich. Für das Auslandsgeschäft wurden die ersten
Filialen in London (1873), Shanghai (1872) und Yokohama (1872) gegründet.
Die Deutsche Bank übernahm 1876 den Berliner Bank-Verein und die Deutsche
Union-Bank und überflügelte damit die bis dahin führende
Disconto-Gesellschaft als größte Bank im Deutschen Reich.

Zu den größten Industrie-Projekten der ersten Jahrzehnte zählten die
Finanzierung der Northern Pacific Railroad (USA 1883) und die Anatolische
Eisenbahn ("Bagdadbahn", 1888). Es wurden aber auch schon
Anleihen des Stahlkonzerns Krupp 1879 finanziert, die Chemiefirma Bayer
1885 an der Berliner Börse eingeführt und Aktienpakete der BASF 1886 übernommen.
Außerdem finanzierte das Institut 1887 die Gründung der Allgemeinen
Elektrizitäts-Gesellschaft (AEG), der Mannesmann-Röhrenwerke (1890)
sowie die Umwandlung der Siemens-Schuckertwerke in eine
Aktiengesellschaft.

Filialnetz und Fusionen bis 1929
Zunächst wuchs das innerdeutsche Filialnetz nur langsam. Die ersten
Filialen wurden in den Hafenstädten Bremen 1871 und Hamburg 1872 gegründet.
1886 wurde der Frankfurter Bank-Verein übernommen, 1892 eine Filiale in München
errichtet. 1901 übernahm die Deutsche Bank das im Bau befindliche Gebäude
der insolvent gewordenen Leipziger Bank, im gleichen Jahr wurden in
Dresden, 1905 in Nürnberg und 1906 in Augsburg Filialen gegründet. Die
regionale Präsenz wurde zu Beginn "befreundeten" Banken überlassen,
an denen die Deutsche Bank beteiligt war. Ab 1914 fusionierte die Deutsche
Bank mit einigen dieser Regionalbanken, so 1914 mit der Bergisch-Märkischen
Bank in (Wuppertal-)Elberfeld und 1917 mit der Norddeutschen Creditanstalt
in Königsberg und dem Schlesischen Bankverein in Breslau. Dadurch
entstand mit 38 neuen Niederlassungen eine Filialbank und gleichzeitig die
größte Universalbank der Welt. Während des Ersten Weltkrieges konnte
die Deutsche Bank 6,5 Mrd. Mark Reichsanleihen unterbringen und zählte
1917 zu den Mitbegründern der Universum-Film-Aktiengesellschaft UFA.
Diese sollte im Auftrag der Militärverwaltung das neue Medium Film zu
einer effektiveren Propaganda nutzen.

In der Weimarer Republik expandierte die Deutsche Bank weiter durch
Fusionen, Übernahmen oder Aktientausch mit vielen Regionalbanken, so
1920 mit der Hannoverschen Bank in Hannover, der Braunschweiger Privatbank
AG, der Privatbank zu Gotha, dem Elberfelder Bankverein in Elberfeld
1922 Übernahme von Niederlassungen der Pfälzischen Bank (Ludwigshafen)
in Bayern und Frankfurt.
1923 betrug die Anzahl der Niederlassungen 146. Es folgten noch
1924 die Württembergische Vereinsbank in Stuttgart
1925 die Essener Credit-Anstalt in Essen und die Siegener Bank
1927 die Lübecker Privatbank in Lübeck
1928 die Hildesheimer Bank und die Osnabrücker Bank
1929 erfolgte schließlich die Megafusion mit dem großen Rivalen, der
Disconto-Gesellschaft, zur "Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft",
mit 289 Niederlassungen. In der neuen Bank gingen außerdem die
Norddeutsche Bank aus Hamburg, der A. Schaaffhausen'sche Bankverein aus Köln,
die Rheinische Creditbank aus Mannheim sowie die Süddeutsche
Disconto-Gesellschaft aus Mannheim auf.
NS-Zeit und die Folgen
Während der Zeit des Nationalsozialismus war auch die Deutsche Bank im
Rahmen der sog. Arisierung an der Enteignung jüdischer Bürger beteiligt,
wie z. B. bei der Aronwerke Elektrizitäts-AG in Berlin. Die Beteiligung
an der Arisierung von mehr als 330 Unternehmen (z. B. Bankhaus
Mendelssohn, Bondi & Maron) erfolgte insbesondere durch gewährte
Kredite, aber auch durch eigenen Erwerb und Weiterverkauf, wie bei der
Hubertus AG des Petschek-Konzerns. Insgesamt war die Vermittlung von zu
verkaufenden Vermögenswerten ein gewinnträchtiges Provisionsgeschäft
und half so der nationalsozialistischen Diktatur bei der Umsetzung ihrer
rassistischen Ziele.
Infolge der Besetzung Europas durch das nationalsozialistische Regime
expandierte auch die Deutsche Bank und übernahm u. a. 1938 zuerst im
Sudetenland, später auch in Böhmen und Mähren, die Böhmische
Union-Bank sowie in Österreich bis 1942 komplett die
Creditanstalt-Bankverein in Wien. Insbesondere die späteren Geschäfte
der Böhmischen Union-Bank waren geprägt durch den Kauf arisierter (d. h.
letztendlich enteigneter) Unternehmungen in Osteuropa und den Verkauf vor
allem an die Reichswerke Hermann Göring oder an das Wirtschaftsimperium
der SS. Auch die Deutsche Bank verdiente am Handel mit dem Gold ermordeter
Juden sowie an der Finanzierung von Unternehmen, die in Auschwitz auf der
Baustelle Bunawerk der I.G. Farben oder für die dortige SS tätig waren.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde von den US-Amerikanern erwogen, die
Vorstandsmitglieder der Deutschen Bank in Nürnberg als Kriegsverbrecher
anzuklagen (siehe Gedruckte Quellen), was jedoch nicht geschah. In der
Ostzone (SBZ) wurden alle Großbanken enteignet und in den Westzonen -
insbesondere auf Initiative der USA - wegen ihrer großen Macht und ihrer
maßgeblichen Beteiligung an der Enteignung von Juden
("Arisierung") dezentralisiert.
Dadurch war die Deutsche Bank ab dem 1. April 1948 mit zehn kleineren
Regionalbanken tätig.
Die Bayerische Creditbank mit Sitz in München
Die Disconto Bank mit Sitz in Bremen
Die Hessische Bank mit Sitz in Frankfurt am Main
Die Südwestbank mit Sitz in Stuttgart/Mannheim
Die Norddeutsche Bank mit Sitz in Hamburg
Die Nordwestbank mit Sitz in Hannover
Die Rheinisch-Westfälische Bank AG mit Sitz in Düsseldorf
Die Oberrheinische Bank mit Sitz in Freiburg im Breisgau
Die Rheinische Kreditbank mit Sitz in Ludwigshafen
Die Württembergische Vereinsbank mit Sitz in Reutlingen
Rezentralisierung 1952-57 und Expansion ins Ausland
Aus diesen 10 Regionalbanken wurden mit der Rezentralisierung vom 1.
Januar 1952 drei Nachfolgebanken:
Die Norddeutsche Bank AG mit Sitz in Hamburg,
Die Süddeutsche Bank AG mit Sitz in München, und
die Rheinisch-Westfälische Bank AG mit Sitz in Düsseldorf.
1957 durften die 3 mittelgroßen Banken fusionieren und es entstand die
heutige Deutsche Bank AG mit Sitz in Frankfurt am Main. In West-Berlin
firmierte die Bank zunächst unter dem Namen 'Berliner Diskonto-Bank AG'
später unter 'Deutsche Bank Berlin AG'. Der Vorstandssprecher war Hermann
Abs, seit 1938 im Vorstand.
Erstes Hochhaus der Deutschen Bank von 1971 in der Großen Gallusstraße
in Frankfurt am Main.
Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung wurde 1990 das Filialnetz der
Staatsbank der DDR übernommen. 1993 erreichte das Filialnetz der
Deutschen Bank seine größte Dichte. Seitdem wurde die Anzahl der
Filialen in Deutschland nach und nach reduziert.
Seit den 1980er Jahren expandiert die Deutsche Bank vor allem außerhalb
der Bundesrepublik Deutschland. 1989 erfolgte die Übernahme der
britischen Investmentbank Morgan Grenfell in London, die 1990er wurden
geprägt von Bankgründungen und Übernahmen in Ost- und Südeuropa. 1998
wurde zum Preis von 16,5 Milliarden DM die US-amerikanische Investmentbank
Bankers Trust in New York City übernommen.
Internationalisierung
Die Deutsche Bank ist inzwischen in vielen Ländern vertreten, teils unter
eigenem Namen, teils über Beteiligungen. So ist u.a. in Russland, China
und vor allem Indien starkes Wachstum zu verzeichnen, sehr starke
Standbeine hat man bereits in Spanien und Italien, aber auch vielen
weiteren Ländern. Wesentliche Teile der Erträge werden in London und New
York im Investmentbanking erzielt, dies hat auch Einfluss auf die Sprache
der Bank nach innen und außen. So wurden inländische Direktoren zu
international vereinheitlichten "Managing Director" und "Director",
Prokuristen wurden zu "Vice Presidents", und auch viele Produkte
haben englische Namen.
Mitte, bzw. Ende der 1990er Jahre wurde das Breitengeschäft mit den
Privatkunden von der Bank ausgegliedert. Das Investmentbanking, die
Firmenkunden und die vermögenden Privatkunden (Private Banking) und sehr
vermögenden Kunden (Privat Wealth Management) verblieb in der AG. Das
Breitengeschäft wurde über die Bank 24 AG in die Nachfolgerin Deutsche
Bank 24 transformiert, welche heute unter der Bezeichnung "Deutsche
Bank Privat- und Geschäftskunden AG" firmiert. Inzwischen ist man
bemüht, wieder eine Reintegration nach innen und außen zu betreiben und
tritt wieder einheitlich auf.
Seit 2001 wird die Aktie der Deutschen Bank auch an der New York Stock
Exchange gehandelt. Im gleichen Jahr führte die Deutsche Bank ihr
Hypothekenbankgeschäft mit dem der Dresdner Bank und der Commerzbank in
der Eurohypo AG zusammen. Im Jahr 2005 hat die Deutsche Bank ihren Anteil
an der gemeinsamen Gesellschaft an die Commerzbank verkauft.
Auch wenn durch die Internationalisierung im Jahr 2005 eine exzellente
Eigenkapitalrendite vor Steuern von 25% erzielt wurde, bleibt Kritik nicht
aus.
Für Aufsehen sorgte die Bank zuletzt Mitte Dezember 2005, als sie für
den in finanzielle Schieflage geratenen Immobilienfonds Grundbesitz-Invest
ihrer Tochter DB Real Estate die Rücknahme aussetzte. Dies war in der
rund 40 jährigen Geschichte der deutschen Immobilienfonds ein einmaliger
Vorgang, da bisher in ähnlichen Fällen stets seitens des Mutterkonzerns
für die notwendige Liquidität gesorgt wurde. Erst Wochen später wurden
nach einer Abwertung des Fonds von 2,7% den neuen Anlegern eine
freiwillige Wertausgleichszahlung verbucht. Inzwischen hat der Fonds
wieder deutlich an Wert gewonnen.
Die Bank erweiterte 2006 ihr deutsches Privatkundengeschäft. Für 681
Mio. Euro kaufte die Deutsche Bank im Juni 2006 die Berliner Bank und hat
damit künftig 119 Filialen in Berlin mit 770.000 Kunden. Am 3. August
2006 hat die Deutsche Bank die Norisbank, die zuvor der DZ Bank gehörte,
gekauft. Die Norisbank besitzt 98 Filialen mit 334.000 Kunden, deren
Kaufpreis liegt bei vorläufig 420 Millionen Euro.