Allianz
SE
1890 nahm die ein Jahr zuvor in München von Carl von Thieme und Wilhelm
von Finck gegründete Allianz Versicherungs-AG in Berlin ihre Geschäftstätigkeit
auf. Die Gesellschaft wurde in der Anfangszeit maßgeblich durch die
Dresdner Bank AG, das Bankhaus Merck Finck & Co, sowie der von Thieme
und Finck zuvor gegründeten Münchener Rückversicherung finanziert.
1893 wurde in London die erste Auslandsfiliale eröffnet, 1895 wurden die
Aktien des Unternehmens erstmals an der Berliner Börse gehandelt.
1906 bestand die Allianz ihre erste Belastungsprobe, da sie einen nicht
unerheblichen Teil der Entschädigungen nach dem verheerenden Erdbeben in
San Francisco zu leisten hatte. Als im April 1912 die Titanic sank, musste
die Allianz ebenfalls hohe Entschädigungszahlungen leisten.
1922 wurde die Tochtergesellschaft Allianz Lebensversicherungs-AG gegründet.
Während der in den 20er Jahren durch Deutschland rollenden Fusionswelle
wurden mehrere Firmen (u.a. die Frankfurter Versicherungs-AG, Bayrische
Versicherungsbank AG) von der Allianz aufgekauft, die aber teilweise ihren
Namen behalten konnten und bis ins 21. Jahrhundert halbautonom am Markt
agierten.
1932 startete die Allianz ihr Engagement in der Schadenforschung und eröffnete
eine Materialprüfstelle zur Schadenforschung, aus der später das Allianz
Zentrum für Technik (AZT) hervorging. Ziel war es aus den
Schadenereignissen gewonnene Erkenntnisse interessierten Unternehmen zur
Schaden- und Risikominimierung zur Verfügung zu stellen.
Von 1933 bis 1945 versicherte die Allianz auch Unterorganisationen der
NSDAP und erschloss im Zuge der Ausbreitung des Deutschen Reiches neue
Geschäftsfelder. U. a. konnte auch durch die Übernahme jüdischer
Versicherungshäuser der Kundenstamm ausgeweitet werden.
Nach dem Krieg und der Blockade Berlins 1949, wurden die Zentralen nach München
(Allianz Versicherungs-AG) bzw. Stuttgart (Allianz Lebensversicherungs-AG)
verlegt. 1958 führte der Konzern den bekannten Werbe-Slogan "...
hoffentlich Allianz versichert" ein, im darauf folgenden Jahr wurde
das Auslandsgeschäft wieder aufgenommen.
1956 versuchte Merck Finck seinen 40-prozentigen Anteil an der Allianz
verdeckt zu erhöhen, gelangte allerdings nicht zum Ziel und veräußerte
daraufhin bis 1990 den Anteil an der Versicherung vollständig. Ab diesem
Zeitpunkt war die Münchener Rück, mit der neben der 25-prozentigen Überkreuzbeteiligung
seit 1921 ein Rahmenvertrag über die Grundsätze der Zusammenarbeit
bestand, der bestimmende Aktionär der Allianz.
Ab den 70er Jahren wurde die Allianz durch Aufkäufe und Gesellschaftsgründungen
zu einem immer stärker im Ausland agierenden Unternehmen. Es folgte die
Übernahme tradionsreicher Versicherer in Frankreich (AGF), Italien (RAS)
und den USA (Firemans Fund). 1985 wurde die Allianz AG Holding zur
besseren Steuerung der Beteiligungen gegründet, 1990 übernahm die
Allianz die Staatliche Versicherung der DDR. Die Expansion in den Ostteil
Europas begann mit der Eröffnung einer Niederlassung in Ungarn. In sieben
weiteren Ländern von Mittel- und Osteuropa folgten mit Eröffnung von
Niederlassungen. 1997 übernahm die Allianz 51 % des Aktienkapitals der
zweitgrößten französischen Versicherung, Assurances Générales de
France (AGF) im Wert von 9,2 Milliarden DM. Die Allianz stieg damit zum
weltgrößten Versicherungskonzern auf. 1999 begann, vor allem durch den
Kauf der südkoreanischen First Life Insurance Co. Ltd. die Expansion nach
Asien.
Die Übernahme der Dresdner Bank 2001, zusammen mit Naturkatastrophen in
Mitteleuropa, dem Anschlag auf das World Trade Center und der Krise in den
internationalen Finanzmärkten, bescherten der Allianz im Jahr 2002, zum
ersten Mal in der Firmengeschichte, ein negatives Ergebnis. Die Allianz AG
hatte einen Verlust von ungefähr 1,2 Milliarden Euro. Gleichzeitig
reduzierte die Münchener Rück ihren Anteil an der Allianz auf 20 %.
2002 ging die Vereinte Versicherungsgruppe komplett in der Allianz auf,
aus der Krankenversicherungssparte wurde die Allianz Private
Krankenversicherungs-AG gebildet. Nachdem Allianz und Münchener Rück
2003 auch ihren Rahmenvertrag offiziell kündigten und ihren gegenseitigen
Anteil weiter reduzierten (2005 hält die Münchener Rück noch 4,9 % an
der Allianz), wurde eine weitgehende Entflechtung der deutschen
Versicherungswirtschaft erreicht.
Mitte September 2005 gründete die Allianz den Internetversicherer Allianz
24, der vorerst (Stand: November 2006) ausschließlich Autoversicherungen
anbietet. Formal gesehen handelt es sich dabei um die "Vereinte
Spezial-Versicherungs-AG", eine Allianz-Tochtergesellschaft.
Am 13. Oktober 2006 wurde die Fusion mit der italienischen RAS und die
gleichzeitige Umwandlung in eine Europäische Aktiengesellschaft mit
Eintragung in das Handelsregister München rechtskräftig.